Maßnahmen

Revitalisierung des Hunte-Oberlaufs in Rabber

September 2020

Im Bad Essener Ortsteil Rabber wird ein 150 Meter langes Teilstück im Oberlauf der Hunte auf der Ostseite des Rabewerks revitalisiert. Den bisherigen Gewässerabschnitt prägen ein starker Uferverbau, etwa aus Metall- und Eternitplatten, und die zum Teil sehr steile Böschung zu den angrenzenden Grundstücken. Die Hunte weist an dieser Stelle keine ausreichende Breiten- und Tiefenvarianz auf. Inselbildungen oder Abbruchufer können so nicht entstehen, und das Gewässer ist kein guter Lebensraum für hier eigentlich typische Arten wie Bachforelle, Koppe und Bachneunauge.

Da die Entfernung der Verbauung der Uferstabilität geschadet hätte, wird die Hunte stattdessen streckenweise leicht nach Osten verschwenkt. Der neue Gewässerarm hat mehr Abstand zur Bebauung und verläuft parallel zum bisherigen Gewässerabschnitt. Die alte Hunte verbleibt während der Bauzeit in ihrem Bett und wird danach umgeleitet. Der Fischbestand wird mittels Elektrobefischung geborgen und umgesiedelt. Erst anschließend wird der Altarm verfüllt und zur Böschung zwischen Grundstücken und Sekundäraue des neuen Gewässerverlaufs umgestaltet.

Der neue naturnah gestaltete Bach verläuft durch einen nutzungsfreien Korridor und greift vorhandene naturnahe Strukturelemente wie ufernahe Gehölzgruppen, Baumstubben und Totholz mit Material auf unvermeidbaren Baumfällungen auf. Die durch den Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte finanzierte Gewässerrenaturierung und -revitalisierung wird durch einen artenreichen und gestuft aufgebauten Gehölzsaum ergänzt.

Renaturierung Hunte in Bohmte

August 2020

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde die Hunte zwischen Bohmte und Hunteburg durch Begradigung und Herstellung eines einheitlichen Trapezprofils weitestgehend ausgebaut. Diese Eingriffe führten dazu, dass bei einer Bewertung im Jahr 2016 gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ein unbefriedigendes ökologisches Potential für die Hunte von der Einmündung des Wimmerbachs bis zum Dümmer festgestellt wurde.

In Zusammenarbeit mit der Flurbereinigung Bohmte-Nord soll der 10,3 km lange Abschnitt in den nächsten Jahren Schritt für Schritt revitalisiert werden. Ziel des Gesamtprojektes ist es, den Fließgewässercharakter der Hunte wiederherzustellen, die Ziele der WRRL zu erreichen und dadurch gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Dümmersanierung und zum Hochwasserschutz zu leisten.

Das mit EU-Mitteln sowie aus dem Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte geförderte Projekt wird in Teilabschnitten realisiert. Im August 2020 haben die Arbeiten für einen rund 800 m langen Abschnitt nördlich von Bohmte begonnen. Für die Umgestaltung konnte der UHV einen 12,5 m breiten Randstreifen erwerben. Die kanalartige, gleichförmige und strukturarme Gewässerstrecke soll durch partielle Aufweitungen wie dem Anlegen von Bermen, partielle Verengungen wie dem Einbringen von Strukturelementen sowie durch Herstellung von verschiedenen Böschungsneigungen natumah umgestaltet werden.

Die Umgestaltung verbessert nicht nur die ökologische Funktion der Hunte, sondern trägt auch zum erhöhten Nährstoffrückhalt damit der Dümmersanierung bei.

Renaturierung am Venner Bruchkanal

Juni/Juli 2020

Der Venner Bruchkanal ist ein stark ausgebautes Gewässer im östlichen Teil des Verbandsgebiets (Gemarkung Venne). Das Gewässer ist trapezförmig ausgebaut. Es befinden sich keine natürlichen gewässerbegleitenden Strukturen im oder am Gewässer. Südlich der Lutterdamms konnte der Unterhaltungsverband eine Fläche mit einer Größe von ca. 0,3 Hektar erwerben.

Um der Wasserrahmenrichtlinie und den damit im Einklang stehenden Zielen des Unterhaltungsverbandes Nr. 70 "Obere Hunte" zu entsprechen, wurde der Venner Bruchkanal in dem zur Verfügung stehenden Flächenabschnitt naturnah umgestaltet. In diesem Zusammenhang wurde der bisher einer mehr oder weniger reinen Entwässerungsfunktion untergeordnete Abschnitt des Kanals wieder an seine Aue angeschlossen, um damit den Lebensraum für gewässergebundene Lebewesen wieder zu erschließen.

Die Maßnahme berücksichtigt insbesondere den Aspekt des Hochwasserschutzes und kann in diesem Sinne aufkommende Abflussspitzen dämpfen. Die bestehenden Strukturen des Gewässerumfelds wurden dabei im Vergleich zum vorherigen Zustand ökologisch aufgewertet. Dazu wurden Kies und Totholz in das Gewässer eingebracht. Um diesen Zielen gerecht zu werden, wurde durch Abgrabungen auf der besagten Fläche eine Sekundäraue mit einer Vertiefung angelegt. Somit hat das Gewässer, welches bislang selbst hohe Abflüsse ohne Ausuferung abführte, wieder eine Verbindung zu seiner Aue.

Die Finanzierung der Maßnahme erfolgte über den Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte.

Renaturierung Neuer Oberer Kanal in Brockhausen

Juli 2020

Der Neue Obere Kanal wurde bei Flurbereinigungen mit ein- bzw. beidseitiger Gehölzbepflanzung und sehr geringem Sohlgefälle angebaut. Das Gewässer dient als Hauptvorfluter für die Ortschaft Brockhausen und zur Entwässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Es mündet östlich des Brockhauser Wegs in den Wimmerbach.

Durch die Anlage von Bermen und Uferabflachungen wurde der Neue Obere Kanal nördlich von Brockhausen / am Rabber Kirchweg revitalisiert. Dadurch, dass ein größerer Übergangsbereich zwischen Wasser und Land geschaffen wurde, eignet sich das neu gestaltete Gewässer als Lebensraum für mehr Pflanzen- und Tierarten. Der vergrößerte Randbereich des Gewässers reduziert Nährstoffeinträge der nördlich gelegenen Ackerfläche, die als stark abschwemmungsgefährdet gilt. Das nutzt auch der Dümmersanierung. Denn in ihrem Zuge muss der Nährstoffeintrag in allen Gewässern seines Einzugsgebiets reduziert werden. Die Anlage von Bermen und die Vergrößerung des Abflussquerschnitt fördert zudem die Ablagerung von Nährstoffen bei höheren Wasserständen infolge von Niederschlagsereignissen.

Der Flächenerwerb sowie die Umsetzung der Maßnahme erfolgte über den Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte. Dieser wird vom Unterhaltungsverband Nr. 70 „Obere Hunte“ verwaltet. Dadurch können die Gewässerentwicklungsmaßnahmen durch den Kompensationsbedarf der Gemeinden im Wittlager Land, die beispielsweise durch die Ausweisung von Baugebieten entstehen, bedient werden. 

Neuer Lebensraum für Uferschwalben in Venne

Mai 2019

Die nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Uferschwalbe ist in Venne heimisch geworden. Die Vögel nisten in einem Sandhügel, der bei den Baggerarbeiten für das nebenliegende Regenrückhaltebecken entstand. Das Becken nimmt das Regenwasser des gegenüber der B 218 ansässigen Werkes von Häcker Küchen auf und führt es Richtung Strothbach ab. Bevor der Sand abgefahren werden konnte, begannen im Frühjahr 2019 entlang der Abbruchkante Uferschwalben zu nisten. Gemeinsam mit dem Wasserverband Wittlage hat sich der Unterhaltungsverband Nr. 70 "Obere Hunte" dazu entschieden, den Hügel zu erhalten. Die Maßnahme ist Teil der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für die Entstehung des gegenüberliegenden Gewerbegebietes.

Die Uferschwalbe (Riparia riparia) gehört zur Familie der Schwalben, kommt jedoch seltener in Deutschland vor als die ebenfalls zur Familie gehörenden Mehl- und Rauchschwalben. Als kleinste europäische Schwalbenart misst die Uferschwalbe eine Länge von ca. 12 cm und wiegt etwa 14 g. Sowohl die Männchen als auch die Weibchen sind an der Oberseite dunkelbraun bis grau und an der Unterseite mit Ausnahme des Brustbandes und der Brustseiten weiß.

Der natürliche Lebensraum ist der Prallhang an Gewässern. Uferschwalben benötigen steile Abbruchkanten, um ihre Nester in Brutröhren zu bauen. Bevorzugt werden diese in Gewässernähe, also dort, wo es genug Nahrung wie Insekten gibt. Solche Bedingungen finden sich jedoch in der heutigen Kulturlandschaften immer seltener. Der Gewässerausbau im Wittlager Land im 20. Jahrhundert hat zu einem völligen Verschwinden dieser Lebensräume geführt. Künstliche Habitate wie dieser Sandhügel sind die beste und einzige Möglichkeit den Lebensraum in diesem Gebiet wiederherzustellen. Zusätzlich zu dem Sandhügel wurden zwei Steinhaufen als Lebensraum für andere Tierarten (z. B. Eidechsen) geschaffen.

Entfernung von Sohlschwellen im Verbandsgebiet

April 2015, Mai 2017, März 2019


Zur Förderung der Durchgängigkeit der Gewässer wurden Sohlschwellen im Verbandsgebiet entfernt und durch Sohlgleiten ersetzt. Insbesondere schwimmschwache Fischarten können nun sowohl flussaufwärts als auch flussabwärts gelangen.

April 2015

In der Elze kurz vor Einmündung in die Hunte wurde die Sohlschwelle durch eine Sohlgleite ersetzt.

Mai 2017

Die Fotos zeigen den Lecker Mühlbach kurz vor seiner Einmündung in die Hunte. Durch die Maßnahme ist auch dieses Gewässer wieder für schwimmschwache Arten erreichbar.

März 2019

Im Caldenhofer Graben südlich der Hitzhauser Straße wurde ein weiteres Querbauwerk entfernt. Das bereits seit Langem abgängige Stauwehr, das nicht mehr über die dazugehörige Stauvorrichtung verfügte, wurde abgerissen. So ist auch der Caldenhofer Graben im Einzugsgebiet des Lecker Mühlbachs wieder durchgängig.

Huntewiesen Meesdorf I

Mai 2018

Im Bereich der Gemarkung Meesdorf (Stadt Melle) hat der Unterhaltungsverband Nr. 70 "Obere Hunte" eine Fläche zwischen der Huntetalstraße und Am Bergsiek am Oberlauf der Hunte erworben. Das mit Tannen bepflanzte Areal war zu diesem Zeitpunkt mit einer Weihnachtsbaumkultur vergleichbar. Die Hunte und teilweise auch die angrenzenden Flächen sind in diesem Bereich als Naturschutzgebiet (FFH-Gebiet „Obere Hunte“) eingestuft.

Um die Fläche wieder lebensraumtypisch zu gestalten und besser an die Hunte und ihre Aue anzuschließen, wurde im ersten Schritt die Weihnachtsbaumkultur entfernt. Denn Nadelgehölze sind hier standortfremd und gehören nicht zu den Lebensraumtypen des FFH-Gebietes Obere Hunte. Der Bestand an gewässerbegleitenden Erlen blieb dagegen erhalten. Stattdessen wurde ein gewässerbegleitendes Stillgewässer angelegt, das bei Hochwasser auch mit Wasser aus der Hunte beschickt wird. Eine weitere Initialpflanzung mit Erlen o.ä. ist nicht erfolgt, da diese bereits am Ufer der Hunte vorhanden sind und demnach ein natürlicher Aufwuchs in der Fläche absehbar ist. Der Anschluss an die Hunte wurde durch zwei Abflachungen am Ufer hergestellt, auf denen kein Erlenbestand vorhanden ist. Aufgrund des tiefen Gewässereinschnitts ist mit einer Überflutung der Fläche nur bei höheren Sommerhochwasserereignissen zu rechnen.

Eine wiederkehrende Unterhaltung der Fläche ist nicht vorgesehen. Stattdessen soll sich ein natürlicher Auenwald mit typischen Tier- und Pflanzenarten entwickeln, der sich in den Anforderungen des FFH-Gebietes wiederfindet.

Renaturierung am Wimmerbach

Frühjahr 2017

Der Wimmerbach wurde in seinem gesamten Verlauf in den 1960er-Jahren begradigt und mit einem durchgängigen Trapezprofil ausgestattet. Zusätzlich wurden im Einzugsgebiet zahlreiche kleine Gräben hergestellt, um die Flächen ackerbaulich nutzbar zu machen. Im Rahmen der Flurbereinigung Harpenfeld konnten in den 1980er-Jahren auf einer Strecke von ca. 1.100 m Randstreifen mit einer Breite von ca.12 m gesichert werden. Im Anschluss erfolgte hier die Anlage von Bermen und Gehölzanpflanzung. Allerdings blieb eine monotone und breite Gewässersohle bestehen. Das sehr geringe Gefälle führte insbesondere bei Niedrigwasser im Sommer zu Algenbildungen. Der Wimmerbach wurde regelmäßig zum Stillgewässer.

Im Jahre 2017 wurde mit der Renaturierung und gleichzeitig mit der Schaffung von Retentionsvolumen auf einem 700 m langen Abschnitt begonnen. Mehrere tausend Kubikmeter Erde wurden abgefahren, und entlang des Gewässers entstanden Sekundärauen. Gleichzeitig wurde eine Niedrigwasserinne ausgebildet. Der Ausbau erfolgte durch den Einbau von Steinen, da ein Einbau von Faschinen aufgrund des Bodens (tlw. Treibsand) nicht möglich war.

Die Ausläufe der Dränagen wurden in die Sekundärauen gelegt, um den direkten Nährstoffeintrag zu reduzieren. Gleiches gilt auch für den Eintrag über Abschwemmung. Um die Strukturvielfalt im Gewässer zu erhöhen, wurde zusätzlich Totholz eingebaut.

Die Maßnahme ist ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken von Flurbereinigungen, Nährstoffreduzierung (Dümmersanierung), EU-WRRL und Hochwasserschutz. Die Finanzierung erfolgte über die Dümmervereinbarung der Gemeinden Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln mit dem Landkreis Osnabrück und dem UHV sowie durch die Kompensationspflicht zweier Windparks.

Anschrift

Unterhaltungsverband Nr. 70 "Obere Hunte"
Im Westerbruch 67
49152 Bad Essen

Verbandsvorsteher: Hermann Steuwer
Geschäftsführer: Uwe Bühning

Kontakt

Telefon +49 5472 9443-0
Fax +49 5472 9443-30
E-Mail uhv@i-like-no-spam.uhv70.de

Öffnungszeiten

Montag - Donnerstag 7:30 - 16:30 Uhr
Freitag 7:30 - 12:00 Uhr