Projekte der Gewässerentwicklung

Quelle: OpenStreetMap

Das Verbandsgebiet des UHV 70 erstreckt sich über das Einzugs­gebiet der Hunte, von der Huntequelle bis einschließlich zum alten Bornbach (südlich des Dümmer Sees). Bei den Gewässern im Verbandsgebiet  handelt es sich - bis auf Bereiche südlich des Mittellandkanals - überwiegend um ausgebaute Gewässer. 

Hier setzt der UHV 70 bedarfsgerecht und gezielt seine Projekte zur nachhaltigen Gewässerentwicklung um.

Informationen zu Strategien und Akteuren bei Gewässerentwicklung und Dümmersanierung finden Sie hier.


Renaturierung der Elze unterhalb Hülsingsweg

Oktober 2023

Die Elze ist in diesem Abschnitt stark begradigt, ausgebaut und von ihrer Aue entkoppelt. Dadurch wird nicht nur die Entwicklung von Flora und Fauna eingeschränkt, sondern auch die Selbstreinigungskraft des von hohen Phosphorfrachten belasteten Gewässers. Dem Leitbild des Fließgewässertyps „Sandgeprägte Tieflandbäche“ entsprechend wurde im Sommer 2023 der Lauf des Gewässers naturnaher gestaltet und über seitliche Abgrabungen mit der Aue verbunden.

Überschwemmungsereignisse können hier nun kontrolliert stattfinden, d. h. unerwünschte Nährstoffe werden dem System entzogen, das Wasser kann in dem dafür geschaffenen Raum verbleiben ohne angrenzende Flächen zu gefährden.

Der Einsatz von Strukturelementen im und am Gewässer rundet die Renaturierung ab. Dazu zählen Totholz, Kiesdepots und die Anpflanzung auentypischer Gehölze. Um eine räumliche Abgrenzung zu der angrenzenden landwirtschaftlichen Fläche zu schaffen, wurde darüber hinaus ein Gewässerrandstreifen von 5 m Breite angelegt und gesichert. 


Unerwartete Funde am Boden der "neuen" Elze

Durch die starken Niederschläge im Oktober ist hier – begrenzt von den im Rahmen der Renaturierungsmaßnahmen angelegten Böschungen und Gewässerrandstreifen – vorübergehend ein Becken entstanden, in dem sich gut nachvollziehen lässt, wie das Flüsschen sich beidseits des eingebrachten Strömungslenkers seinen Weg sucht.

Der Fund

Dabei zeigt sich in dem neuen Gerinne des kleinen Huntezuflusses Erstaunliches: Wie Kiesel liegen hier kleine steinartige Gebilde am Grund des Gewässers. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass die Teile innen hohl sind. Es könnte sich also um versteinerte Reste von Röhricht handeln, die darauf schließen lassen, dass sich hier einst ein Schilfgürtel befand.

Der Prozess

Die Versteinerung ist ein Prozess, der bis zu Jahrmillionen dauern kann. Versteinerungen ermöglichen uns Rückschlüsse darauf, wie Flora und Fauna am Fundort einst beschaffen waren und lässt uns daraus ableiten, welches Klima dort einst herrschte.

Bei der Versteinerung werden die abgestorbenen Lebewesen im Untergrund eingebettet und von Bodenschichten luftdicht überlagert. Indem der nötige Sauerstoff fehlt, kann keine vollständige Zersetzung stattfinden, die harten Bestandteile bleiben erhalten. Auch lagern sich an ihnen Mineralien wie Kieselsäure an und umhüllen sie. Diesen Vorgang nennt man Verkieselung.

Hart sind auch die Röhren von Schilf und Röhricht. Auch sie zersetzen sich unter Luftabschluss kaum, sondern werden im Laufe der Zeit – wie beschrieben – in Mineralien umgewandelt.

Die Einordnung

Wann das Schilf hier wuchs, lässt sich für Laien schlecht schätzen. Ähnliche Funde in Ungarn ordnet man in das Erdzeitalter des Obermiozän ein, schreibt ihnen also ein Alter von etwa 12 Millionen Jahren zu.

Erdgeschichtlich weiß man von unserer Region, dass bis ins Miozän das Meer noch bis in die Mittelgebirgskette Teutoburger Wald / Wiehengebirge heranreichte. Erst mit dem Übergang zum Obermiozän setzte dann die Festlandsperiode ein, die bis heute anhält. (s. a. LBEG, Erdgeschichte von Niedersachsen, 2017)

Könnte es also sein, dass das Schilf nicht am Flussufer der Elze, sondern am Meeresstrand wuchs…?

Vielleicht haben unsere Funde aber auch einen ganz anderen Hintergrund. Wir gehen dem nach!


Revitalisierung der Hunte oberhalb Schöpfwerk Meyerhöfen

September 2023

In diesem Abschnitt ist die Hunte ebenfalls durch Ausbau als stark überformt zu betrachten; in der Kartierung des Landes Niedersachsen wird ihr eine geringe Strukturgüte zugeschrieben.

Durch den Zuschnitt der zur Verfügung stehenden Fläche konnte hier keine großräumige Sekundäraue angelegt werden. Jedoch war es möglich, am rechten Ufer im gesamten Abschnitt einen Gewässerrandstreifen zur Reduktion des durch Abschwemmung verursachten Nährstoffeintrags, anzulegen.

Da linksseitig ein Radweg verläuft, sind Maßnahmen hier nicht vorgesehen. Auf der Innenseite der Kurve kann eine annähernd 350 Quadratmeter große Berme zumindest punktuell für einen Anschluss des Gewässers mit seiner Aue sorgen. Es wurden vier Kiesbänke errichtet, die im Zuge einer kontrolliert sich entwickelnden Vegetation im Laufe der Zeit durch auentypische Gehölze beschattet werden. Am Prallhang wurden Strukturen aus Kies und Totholz eingebracht, die als Strömungslenker und Strukturelement gleichermaßen dienen sollen.


Revitalisierung der Hunte unterhalb Hülsingsweg

August 2023

Die Hunte verläuft in diesem Abschnitt zwischen intensiv genutzten Ackerflächen auf der rechten und dem Naturschutzgebiet „Streithorst“ auf der linken Uferseite, die zusätzlich von einem Radweg begleitet wird.

Die Strukturqualität der Hunte ist hier als deutlich vermindert zu bezeichnen: Das Flussbett ist stark vertieft, begradigt und besitzt ein überdimensioniertes Profil. Daneben sind Sohle und Uferbereiche mit Wasserbausteinen verbaut und es fehlt – neben dem massenhaften Aufwuchs von Wasserpflanzen – an Habitatstrukturen für Fische und andere Wassertiere.

Durch die Steilufer kann stark nährstoffbelastetes Wasser bei Hochwasser nicht zurückgehalten werden und landet schlussendlich im Dümmer, wo es die dort bestehenden Problematiken verschärft.

Somit wurden Maßnahmen ausgewählt, die nicht nur einen Beitrag zur Dümmersanierung leisten, sondern auch auf eine Verbesserung der Bedingungen für aquatisch gebundene Organismen abzielen. Der Nährstoffrückhalt aus dem Gewässer erfolgt über eine neu geschaffene Sekundäraue als Retentionsraum, der Eintrag aus der Umgebung wird durch die Anlage eines dauerhaft angelegten Gewässerrandstreifens reduziert.

Im Hinblick auf die EU-WRRL wurden insgesamt drei größere Kiesdepots errichtet und punktueller Aufwuchs von Auengehölzen zugelassen, um diese zu beschatten. Die Anlage von Blänken soll den aquatischen Lebensraum erweitern und ergänzen.


Revitalisierung der Elze an der Burgstraße

Oktober 2022

Zwischen Burgstraße und der Wittlager Kreisbahn in Hunteburg hat der Unterhaltungsverband Nr. 70 "Obere Hunte" erneut eine Renaturierungsmaßnahme an der Elze umsetzen können. Auf einem ca. 400 Meter langen Abschnitt wurden ein Gewässerrandstreifen sowie eine Sekundäraue angelegt und dabei Struktur gebende Elemente wie Kies und Totholz im Gewässerverlauf eingebaut.

Nach den Maßnahmen an Grenzweg und Schweger Weg ist dies die nunmehr dritte Maßnahme der Gewässerentwicklung entlang der Elze. Damit konnten bereits rund 1600 Meter an diesem Gewässer renaturiert werden. Alle Maßnahmen an der Elze dienen dem Nährstoffrückhalt im Zuge der Dümmersanierung.

Auch für die jüngste Maßnahme gilt: Die Flächenbereitstellung konnte dank eines freiwilligen Landtausches und der Flurbereinigung erfolgen. Finanziert wird die Maßnahme (inkl. Flächenerwerb, Planung, Bau und Unterhaltung) über die Kompensationsverpflichtungen der Wittlager Gemeinden im Rahmen der Dümmer-Vereinbarung. 


Revitalisierung der Elze am Schweger Weg

September 2022

Nachdem der Unterhaltungsverband Nr. 70 "Obere Hunte" (UHV 70) im Frühjahr die Maßnahme am Grenzweg südlich von Hunteburg fertiggestellt hat, geht es nun nördlich des Ortes an der Elze weiter. Kurz vor der Einmündung in die Hunte schafft der UHV 70 auf einer Länge von ca. 650 Metern mehr Platz für das lange Zeit begradigte Flüsschen.

Entlang des Schweger Wegs wurden auf der Ackerseite Sekundärauen und Gewässerrandstreifen angelegt. Der bislang monotone Gewässerverlauf wird durch den Einbau von Strukturelementen (Totholz, Kies etc.) aufgewertet. Zusätzlich wird ein großer Auenbereich zum Hülsingsweg hin angelegt, der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, die Stillgewässer bevorzugen, einen neuen Lebensraum bietet.

Dümmersanierung

Wie alle Maßnahmen im Verbandsgebiet dient diese auch der Dümmersanierung, da in den Auenbereichen, insbesondere bei höheren Wasserständen, Nährstoffe aufgehalten werden.

Die Flächenbereitstellung konnte dank eines freiwilligen Landtausches und der Flurbereinigung erfolgen. Finanziert wird die Maßnahme (inkl. Flächenerwerb, Planung, Bau und Unterhaltung) über die Kompensationsverpflichtungen der Wittlager Gemeinden im Rahmen der Dümmer-Vereinbarung.  


Revitalisierung der Elze am Grenzweg

April 2022

Die Elze bildet den Unterlauf des Venner Mühlbaches bis zur Mündung in die Hunte. Wie so viele Gewässer in der Region war auch dieses Flüsschen seinerzeit begradigt worden – mit Folgen für den Unterhaltungsaufwand und die Ökologie:

Aufgrund fehlender Ufergehölze und starker Verkrautung musste in diesem Abschnitt nicht nur zweimal jährlich gemäht werden, auch die Gewässergüte des Dümmerzuflusses ließ zu wünschen übrig.

Der UHV 70 hat deshalb im vergangenen Jahr eine umfangreiche Renaturierung der Elze in Angriff genommen, die jetzt abgeschlossen ist und Mäander und Sekundärauen entstehen ließ. 

Die Renaturierung der Elze ist damit ein wertvoller Beitrag zur Verbesserung der Gewässerqualität des Dümmers.


Naturnahe Fließgewässerentwicklung der oberen Hunte im Westerbruch

Dezember 2021

Eine weitere umfangreiche Renaturierungsmaßnahme der Hunte konnte zum Jahresende erfolgreich abgeschlossen werden: Im Bereich Westerbruch in der Bad Essener Ortschaft Rabber hat der Unterhaltungsverband Nr. 70 "Obere Hunte" (UHV 70) auf einer Fläche von 3,5 Hektar dem hier bisher stark begradigten Fluss ein mäandrierendes Gerinne gegeben.

Damit wird zweierlei erreicht: Der Lauf der Hunte wird um 250 Meter verlängert und an ihren Ufern kann sich eine Sekundäraue entwickeln. Damit einher geht nicht nur die Verbesserung des Artenschutzes, vielmehr wird durch die Maßnahme auch im Sinne des Hochwasserschutzes der Druck auf die unterhalb liegenden Flächen verringert. Die Maßnahme ist darauf ausgelegt, in Flussbett und Auen mehr als 30.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen bzw. zurückhalten können.

 

Neben Natur- und Hochwasserschutz stellt die Hunte-Renaturierung auch einen wichtigen Beitrag zur Dümmersanierung dar, da durch die Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit der Phosphoreintrag aus der Hunte in den Dümmer verringert wird. Damit werden die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) umgesetzt. Die Finanzierung der Maßnahme, deren Kosten sich inklusive Grunderwerb auf ca. 850.000 Euro belaufen, erfolgt über den Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte. Die Gemeinde Bad Essen beteiligt sich außerdem mit 250.000 Euro an der Schaffung des Retentionsraumes im Sinne des Hochwasserschutzes.


Renaturierung der Hunte an Schloss Ippenburg

Juni 2021 bis Juni 2023

Eine herausragende Maßnahme im Rahmen der Dümmersanierung hat der Unterhaltungsverband Nr. 70 „Obere Hunte“ (UHV 70) dieser Tage in Angriff genommen. Auf dem Gelände der früheren Bedarfsparkplätze bei Schloss Ippenburg vollzieht der Eigentümer Philip von dem Bussche eine der umfangreichsten Renaturierungsmaßnahmen unserer Region. 

Als Kompensationsmaßnahme schafft sie einen naturschutzrechtlichen Ausgleich zu Eingriffen in den Naturhaushalt, wie sie sich aus Straßen- und Siedlungsbau sowie der Erschließung von Gewerbegebieten zwangsläufig ergeben. Dabei haben sich auch und vor allem aus naturschutzfachlicher Sicht Flächenpools bewährt, da sie auf größeren Flächen gebündelte Maßnahmen und damit geeignete Lebensräume auch für anspruchsvollere Arten zulassen. So auch bei der Maßnahme an Schloss Ippenburg. 
Die Größe des Areals von 11 Hektar macht hier ein weitreichendes gewässerbauliches Projekt möglich: Die Hunte, die das Gelände durchfließt, erhält hier ein neues Profil. Dazu werden zwei neue Schleifen angelegt, die den Fluss in seinem Neuverlauf um rund 500 Meter verlängern. Zusätzlich bleibt das bisherige Hunteprofil als Altarm bestehen und kann so ebenfalls eine wichtige ökologische Funktion übernehmen.

Im Sommer 2021 waren die ersten Bagger angerollt, Anfang 2022 konnte die Gestaltung des neuen Verlaufs durch den Einbau von Faschinen, Totholz und Kies abgeschlossen werden. Dort, wo sich vormals die Festivalparkplätze von Schloss Ippenburg erstreckten, wurde dabei durch Absenkungen und Mäander der Lauf des Flusses verlängert. Mit dem Durchstich zwischen altem Lauf und neuem Gerinne im Frühjahr/Sommer 2023 ist die umfangreiche Renaturierungsmaßnahme im Bereich der Hunte an Schloss Ippenburg abgeschlossen. Nun kann sich der Fluss schlängeln und artenreiche Auen entstehen lassen.

Insgesamt entsteht durch die naturnahe Entwicklung des Gewässers mit Gehölzpflanzungen, dem Einbau von Kiesbänken und Totholzelementen eine Auenlandschaft, die nicht nur positive Wirkungen auf heimische Pflanzen, Fische, Vögel und Insekten haben wird, sondern sich auch als zusätzlicher Retentionsraum bewähren wird – im Sinne des Hochwasserschutzes, aber auch zur Rückhaltung von Sedimenten und Nährstoffen, insbesondere von Phosphor, der für das sensible ökologische Gleichgewicht des Dümmers eine entscheidende Rolle spielt.

Der UHV 70 ist deshalb nicht nur an der Ausführung der Maßnahme an Schloss Ippenburg beteiligt, sondern befürwortet diese ausdrücklich im Sinne der Dümmersanierung. Denn die Blaualgenblüte, unter der der flache See immer wieder leidet, wird durch den Phosphoreintrag seines Zuflusses, der Hunte, maßgeblich begünstigt. Um diesen Eintrag zu reduzieren, wurde 2013 von der Niedersächsischen Landesregierung der Rahmenentwurf zur Dümmersanierung verabschiedet, an deren Umsetzung der UHV 70 maßgeblich beteiligt ist.


Renaturierung der Hunte am Rabewerk in Rabber

September 2020

Im Bad Essener Ortsteil Rabber wird ein 150 Meter langes Teilstück im Oberlauf der Hunte auf der Ostseite des Rabewerks revitalisiert. Den bisherigen Gewässerabschnitt prägen ein starker Uferverbau, etwa aus Metall- und Eternitplatten, und die zum Teil sehr steile Böschung zu den angrenzenden Grundstücken. Die Hunte weist an dieser Stelle keine ausreichende Breiten- und Tiefenvarianz auf. Inselbildungen oder Abbruchufer können so nicht entstehen, und das Gewässer ist kein guter Lebensraum für hier eigentlich typische Arten wie Bachforelle, Koppe und Bachneunauge.

Da die Entfernung der Verbauung der Uferstabilität geschadet hätte, wird die Hunte stattdessen streckenweise leicht nach Osten verschwenkt. Der neue Gewässerarm hat mehr Abstand zur Bebauung und verläuft parallel zum bisherigen Gewässerabschnitt. Die alte Hunte verbleibt während der Bauzeit in ihrem Bett und wird danach umgeleitet. Der Fischbestand wird mittels Elektrobefischung geborgen und umgesiedelt. Erst anschließend wird der Altarm verfüllt und zur Böschung zwischen Grundstücken und Sekundäraue des neuen Gewässerverlaufs umgestaltet.

Der neue naturnah gestaltete Bach verläuft durch einen nutzungsfreien Korridor und greift vorhandene naturnahe Strukturelemente wie ufernahe Gehölzgruppen, Baumstubben und Totholz mit Material auf unvermeidbaren Baumfällungen auf. Die durch den Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte finanzierte Gewässerrenaturierung und -revitalisierung wird durch einen artenreichen und gestuft aufgebauten Gehölzsaum ergänzt.


Revitalisierung der Hunte in der Bruchheide

August 2020

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde die Hunte zwischen Bohmte und Hunteburg durch Begradigung und Herstellung eines einheitlichen Trapezprofils weitestgehend ausgebaut. Diese Eingriffe führten dazu, dass bei einer Bewertung im Jahr 2016 gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ein unbefriedigendes ökologisches Potential für die Hunte von der Einmündung des Wimmerbachs bis zum Dümmer festgestellt wurde.

In Zusammenarbeit mit der Flurbereinigung Bohmte-Nord soll der 10,3 km lange Abschnitt in den nächsten Jahren Schritt für Schritt revitalisiert werden. Ziel des Gesamtprojektes ist es, den Fließgewässercharakter der Hunte wiederherzustellen, die Ziele der WRRL zu erreichen und dadurch gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Dümmersanierung und zum Hochwasserschutz zu leisten.

Das mit EU-Mitteln sowie aus dem Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte geförderte Projekt wird in Teilabschnitten realisiert. Im August 2020 haben die Arbeiten für einen rund 800 m langen Abschnitt nördlich von Bohmte begonnen. Für die Umgestaltung konnte der UHV einen 12,5 m breiten Randstreifen erwerben. Die kanalartige, gleichförmige und strukturarme Gewässerstrecke soll durch partielle Aufweitungen wie dem Anlegen von Bermen, partielle Verengungen wie dem Einbringen von Strukturelementen sowie durch Herstellung von verschiedenen Böschungsneigungen naturnah umgestaltet werden.

Die Umgestaltung verbessert nicht nur die ökologische Funktion der Hunte, sondern trägt auch zum erhöhten Nährstoffrückhalt damit der Dümmersanierung bei.


Naturnahe Umgestaltung am Venner Bruchkanal

Juni/Juli 2020

Der Venner Bruchkanal ist ein stark ausgebautes Gewässer im östlichen Teil des Verbandsgebiets (Gemarkung Venne). Das Gewässer ist trapezförmig ausgebaut. Es befinden sich keine natürlichen gewässerbegleitenden Strukturen im oder am Gewässer. Südlich der Lutterdamms konnte der Unterhaltungsverband eine Fläche mit einer Größe von ca. 0,3 Hektar erwerben.

Um der Wasserrahmenrichtlinie und den damit im Einklang stehenden Zielen des Unterhaltungsverbandes Nr. 70 "Obere Hunte" zu entsprechen, wurde der Venner Bruchkanal in dem zur Verfügung stehenden Flächenabschnitt naturnah umgestaltet. In diesem Zusammenhang wurde der bisher einer mehr oder weniger reinen Entwässerungsfunktion untergeordnete Abschnitt des Kanals wieder an seine Aue angeschlossen, um damit den Lebensraum für gewässergebundene Lebewesen wieder zu erschließen.

Die Maßnahme berücksichtigt insbesondere den Aspekt des Hochwasserschutzes und kann in diesem Sinne aufkommende Abflussspitzen dämpfen. Die bestehenden Strukturen des Gewässerumfelds wurden dabei im Vergleich zum vorherigen Zustand ökologisch aufgewertet. Dazu wurden Kies und Totholz in das Gewässer eingebracht. Um diesen Zielen gerecht zu werden, wurde durch Abgrabungen auf der besagten Fläche eine Sekundäraue mit einer Vertiefung angelegt. Somit hat das Gewässer, welches bislang selbst hohe Abflüsse ohne Ausuferung abführte, wieder eine Verbindung zu seiner Aue.

Die Finanzierung der Maßnahme erfolgte über den Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte.


Renaturierung Neuer Oberer Kanal in Brockhausen

Juli 2020

Der Neue Obere Kanal wurde bei Flurbereinigungen mit ein- bzw. beidseitiger Gehölzbepflanzung und sehr geringem Sohlgefälle angebaut. Das Gewässer dient als Hauptvorfluter für die Ortschaft Brockhausen und zur Entwässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Es mündet östlich des Brockhauser Wegs in den Wimmerbach.

Durch die Anlage von Bermen und Uferabflachungen wurde der Neue Obere Kanal nördlich von Brockhausen / am Rabber Kirchweg revitalisiert. Dadurch, dass ein größerer Übergangsbereich zwischen Wasser und Land geschaffen wurde, eignet sich das neu gestaltete Gewässer als Lebensraum für mehr Pflanzen- und Tierarten. 

Der vergrößerte Randbereich des Gewässers reduziert Nährstoffeinträge der nördlich gelegenen Ackerfläche, die als stark abschwemmungsgefährdet gilt. Das nutzt auch der Dümmersanierung. Denn in ihrem Zuge muss der Nährstoffeintrag in allen Gewässern seines Einzugsgebiets reduziert werden. Die Anlage von Bermen und die Vergrößerung des Abflussquerschnitt fördert zudem die Ablagerung von Nährstoffen bei höheren Wasserständen infolge von Niederschlagsereignissen.

Der Flächenerwerb sowie die Umsetzung der Maßnahme erfolgte über den Kompensationspool Dümmer/Obere Hunte. Dieser wird vom Unterhaltungsverband Nr. 70 „Obere Hunte“ verwaltet. Dadurch können die Gewässerentwicklungsmaßnahmen durch den Kompensationsbedarf der Gemeinden im Wittlager Land, die beispielsweise durch die Ausweisung von Baugebieten entstehen, bedient werden. 


Entfernung von Sohlschwellen im Verbandsgebiet

April 2015, Mai 2017, März 2019


Zur Förderung der Durchgängigkeit der Gewässer wurden Sohlschwellen im Verbandsgebiet entfernt und durch Sohlgleiten ersetzt. Insbesondere schwimmschwache Fischarten können nun sowohl flussaufwärts als auch flussabwärts gelangen.

April 2015

In der Elze kurz vor Einmündung in die Hunte wurde die Sohlschwelle durch eine Sohlgleite ersetzt.

Mai 2017

Die Fotos zeigen den Lecker Mühlbach kurz vor seiner Einmündung in die Hunte. Durch die Maßnahme ist auch dieses Gewässer wieder für schwimmschwache Arten erreichbar.

März 2019

Im Caldenhofer Graben südlich der Hitzhauser Straße wurde ein weiteres Querbauwerk entfernt. Das bereits seit Langem abgängige Stauwehr, das nicht mehr über die dazugehörige Stauvorrichtung verfügte, wurde abgerissen. So ist auch der Caldenhofer Graben im Einzugsgebiet des Lecker Mühlbachs wieder durchgängig.


Naturnahe Umgestaltung im Auenbereich Huntewiesen Meesdorf

Mai 2018

Im Bereich der Gemarkung Meesdorf (Stadt Melle) hat der Unterhaltungsverband Nr. 70 "Obere Hunte" eine Fläche zwischen der Huntetalstraße und Am Bergsiek am Oberlauf der Hunte erworben. Das mit Tannen bepflanzte Areal war zu diesem Zeitpunkt mit einer Weihnachtsbaumkultur vergleichbar. Die Hunte und teilweise auch die angrenzenden Flächen sind in diesem Bereich als Naturschutzgebiet (FFH-Gebiet „Obere Hunte“) eingestuft.

Um die Fläche wieder lebensraumtypisch zu gestalten und besser an die Hunte und ihre Aue anzuschließen, wurde im ersten Schritt die Weihnachtsbaumkultur entfernt. Denn Nadelgehölze sind hier standortfremd und gehören nicht zu den Lebensraumtypen des FFH-Gebietes Obere Hunte. Der Bestand an gewässerbegleitenden Erlen blieb dagegen erhalten. Stattdessen wurde ein gewässerbegleitendes Stillgewässer angelegt, das bei Hochwasser auch mit Wasser aus der Hunte beschickt wird. Eine weitere Initialpflanzung mit Erlen o.ä. ist nicht erfolgt, da diese bereits am Ufer der Hunte vorhanden sind und demnach ein natürlicher Aufwuchs in der Fläche absehbar ist. Der Anschluss an die Hunte wurde durch zwei Abflachungen am Ufer hergestellt, auf denen kein Erlenbestand vorhanden ist. Aufgrund des tiefen Gewässereinschnitts ist mit einer Überflutung der Fläche nur bei höheren Sommerhochwasserereignissen zu rechnen.

Eine wiederkehrende Unterhaltung der Fläche ist nicht vorgesehen. Stattdessen soll sich ein natürlicher Auenwald mit typischen Tier- und Pflanzenarten entwickeln, der sich in den Anforderungen des FFH-Gebietes wiederfindet.


Renaturierung am Wimmerbach

Frühjahr 2017

Der Wimmerbach wurde in seinem gesamten Verlauf in den 1960er-Jahren begradigt und mit einem durchgängigen Trapezprofil ausgestattet. Zusätzlich wurden im Einzugsgebiet zahlreiche kleine Gräben hergestellt, um die Flächen ackerbaulich nutzbar zu machen. Im Rahmen der Flurbereinigung Harpenfeld konnten in den 1980er-Jahren auf einer Strecke von ca. 1.100 m Randstreifen mit einer Breite von ca.12 m gesichert werden. Im Anschluss erfolgte hier die Anlage von Bermen und Gehölzanpflanzung. Allerdings blieb eine monotone und breite Gewässersohle bestehen. Das sehr geringe Gefälle führte insbesondere bei Niedrigwasser im Sommer zu Algenbildungen. Der Wimmerbach wurde regelmäßig zum Stillgewässer.

Im Jahre 2017 wurde mit der Renaturierung und gleichzeitig mit der Schaffung von Retentionsvolumen auf einem 700 m langen Abschnitt begonnen. Mehrere tausend Kubikmeter Erde wurden abgefahren, und entlang des Gewässers entstanden Sekundärauen. Gleichzeitig wurde eine Niedrigwasserinne ausgebildet. Der Ausbau erfolgte durch den Einbau von Steinen, da ein Einbau von Faschinen aufgrund des Bodens (tlw. Treibsand) nicht möglich war.

Die Ausläufe der Dränagen wurden in die Sekundärauen gelegt, um den direkten Nährstoffeintrag zu reduzieren. Gleiches gilt auch für den Eintrag über Abschwemmung. Um die Strukturvielfalt im Gewässer zu erhöhen, wurde zusätzlich Totholz eingebaut.

Die Maßnahme ist ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken von Flurbereinigungen, Nährstoffreduzierung (Dümmersanierung), EU-WRRL und Hochwasserschutz. Die Finanzierung erfolgte über die Dümmervereinbarung der Gemeinden Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln mit dem Landkreis Osnabrück und dem UHV sowie durch die Kompensationspflicht zweier Windparks.

Anschrift

Unterhaltungsverband Nr. 70 "Obere Hunte"
Im Westerbruch 67
49152 Bad Essen

Verbandsvorsteher: Hermann Steuwer
Geschäftsführer: Uwe Bühning

Kontakt

Telefon +49 5472 9443-0
Fax +49 5472 9443-30
E-Mail uhv@i-like-no-spam.uhv70.de

Öffnungszeiten

Montag - Donnerstag 7:30 - 16:30 Uhr
Freitag 7:30 - 12:00 Uhr