Bad Essen. Schweres Gerät hat der Unterhaltungsverband Nr. 70 „Obere Hunte“ (UHV 70) aktuell an der Hunte in Wittlage im Einsatz. Hier wird der Fluss entschlammt, eine Maßnahme die sowohl der Gewässerunterhaltung im Sinne des Hochwasserschutzes wie auch dem Gewässerschutz dient.
Auf etwa 750 Metern beseitigt der UHV 70 dieser Tage den Schlamm auf dem Boden der Hunte oberhalb der Wittlager Mühle. Dieser Schlamm sammelt sich aufgrund des geringen Gefälles und der damit verbundenen geringen Fließgeschwindigkeit des Gewässers hier immer wieder verstärkt an.
Warum dieser Eingriff zum Hochwasserschutz, aber auch unter Umweltaspekten sinnvoll und wichtig ist, erklärt Kai Holzgräfe, Gewässerökologe beim UHV 70: „Durch die Ablagerungen nimmt das nutzbare Wasservolumen in diesem Gewässerabschnitt langfristig ab, das beeinträchtigt die Wasserqualität. Sauerstoffarme Bedingungen und Faulprozesse im Schlamm aber können den Lebensraum zahlreicher wirbelloser Tiere im Gewässerboden beeinträchtigen.“
Aber auch was den Hochwasserschutz betrifft, gibt es gute Gründe für das Vorgehen: Die Gewässerinfrastruktur muss für den Hochwasserschutz funktionsfähig bleiben. In diesem Bereich befindet sich eine Hochwasserentlastung, über die Wasser in den Mittellandkanal geleitet werden kann. Diese muss intakt sein.
Die Maßnahme wird vom UHV 70 übrigens turnusmäßig im Abstand von ca. acht Jahren durchgeführt, wurde jetzt aber kurzfristig anberaumt. Aktuell hat die anhaltende Trockenperiode nämlich den Wasserstand der Hunte stark reduziert, sodass das Ausmaß der Verschlammung in diesem Bereich deutlich sichtbar wurde. So bot sich die derzeitige Situation für die Maßnahme an.
Eine unlängst vom Sportfischerverein Wittlage durchgeführte Installation eines Belüfters in der Staustrecke sowie der in diesem Zusammenhang vom THW Ortsverband Bad Essen gewährleistete Wasserzufluss waren trotz der nun notwendigen Entschlammung durchaus sinnvoll. Die Maßnahme sollte die Fische angesichts hoher Temperaturen, niedriger Wasserstände und verstärkter Blaualgenbildung vor Sauerstoffmangel und dem Verenden schützen.
Die seinerzeit geschützten Fische konnten nun im Rahmen der Entschlammung vom Sportfischerverein Wittlage erfolgreich geborgen und in den Burggraben der Burg Wittlage umgesetzt werden. Dazu war zuvor das verbliebene Wasser aus dem betroffenen Hunte-Abschnitt abgelassen worden
Fazit: Die Entschlammung dient der Verbesserung der ökologischen Bedingungen und der Sicherstellung des Hochwasserschutzes im Rahmen der Gewässerunterhaltung. Gleichzeitig wird der vorhandene Gewässerraum erhalten und funktionsfähig gehalten. Das Belassen der Schlammablagerungen wäre dagegen weder aus ökologischer Sicht noch im Hinblick auf einen zukunftsfähigen Wasserrückhalt im Gewässer sinnvoll gewesen. Die verbliebenen Fische konnten fachgerecht geborgen und umgesetzt werden.
Hintergrund: In ihrem Oberlauf noch ein munterer Bach, ist die Hunte etwa ab der Ortschaft Wittlage ein überwiegend schnurgerades Gewässer. Ab hier ist sie, ebenso wie ihre Zuflüsse, stark begradigt und ausgebaut. Gründe für den Ausbau und die Vertiefung nördlich des Kanals waren die Hochwassersicherung der bebauten Flächen und die Schaffung optimaler Voraussetzungen für die Landwirtschaft.
Allerdings führte der Ausbau der Gewässer zu einer ökologischen Verarmung und höheren Nährstofffrachten, die sich nicht zuletzt in einer Belastung des Dümmers niederschlagen. Bereits in den 1990er Jahren wurden die ersten ökologischen Gewässerentwicklungsmaßnahmen im Verbandsgebiet umgesetzt und vom UHV 70 in den vergangenen Jahren verstärkt vorangetrieben. S. auch Projekte der Gewässerentwicklung





