Hannover. Die Dümmersanierung ist uns seit langem ein Anliegen. Durch Gewässerschutzmaßnahmen und Renaturierungen im Einzugsbereich der Oberen Hunte tun wir, der UHV 70, viel dafür, die Nährstoffeinträge in den Dümmer zu reduzieren. Ein schon lange geplanter Großschilfpolder wurde jetzt von der Niedersächsischen Landesregierung auf den Weg gebracht. Nachfolgend die Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz:
Als zweigrößter See Niedersachsens hat der Dümmer in den vergangenen Jahrzehnten unter verschiedenen Einflüssen gelitten. Hauptproblem sind die starken Nährstoffeinträge in das Flachgewässer. Mit einem lange geplanten Großschilfpolder soll nun der ökologische Zustand des Dümmers dauerhaft verbessert und große Fischsterben vermieden werden. Damit werden auch die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie erfüllt. „Auf der Haushaltsklausur der Landesregierung wurde die Finanzierung dieses von der Region lange geforderten Großprojektes auf den Weg gebracht“, so Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer, „mit rund 65,3 Millionen Euro sollen die Dümmersanierung und der Bau eines Großschilfpolders auf 200 Hektar mit dem Haushalt finanziell abgesichert werden. Der Schilfpolder soll dazu beitragen, die partikelgebundenen Nährstoffeinträge in den See, vor allem Phosphor, zu reduzieren. Das ist ein großer Schritt für die Verbesserung des Dümmer.“ Mit dem Polder soll nicht nur die Gewässerqualität verbessert werden, der Polder dient auch dem Wasserrückhalt in der Fläche in Niedrigwasserphasen sowie dem Hochwasserrückhalt bei Starkregenereignissen. Meyer: „Damit ist die Dümmersanierung auch ein wichtiger Beitrag zur Klimafolgenanpassung in der Region.“
Ziel der Sanierung ist es, die Belange von Wasserwirtschaft, Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus miteinander in Einklang zu bringen. Eine Kernmaßnahme des Rahmenkonzepts zur Fortsetzung der Dümmersanierung aus 2013 ist die Errichtung eines Großschilfpolders auf einer Fläche von 200 Hektar, ergänzt durch unterstützende Maßnahmen und weitere wasserwirtschaftliche Eingriffe zur Reduzierung der Nährstoffbelastung im Seeneinzugsgebiet. Die Genehmigungsplanung für den Großschilfpolder und die naturschutzfachlich notwendigen Kohärenzmaßnahmen sind inzwischen fertiggestellt. Anfang Juni 2026 hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die umfangreichen technischen und umweltplanerischen Planwerke bei der Genehmigungsbehörde, dem Landkreis Osnabrück, eingereicht. „Nach jahrelanger Arbeit sind die Flächen nun da, der Antrag ist gestellt und ist auch die Finanzierung gesichert – weil die Landesregierung die Maßnahme priorisiert hat“, so Minister Meyer.
Parallel dazu hat die Landesregierung auf Vorschlag des Umweltministeriums bei ihrer jüngsten Klausurtagung mit dem Beschluss der Entwürfe für die Haushaltsjahre 2027 und 2028 sowie der sogenannte Mittelfristigen Planung 2026 bis 2030 die Ausfinanzierung der Dümmersanierung sichergestellt. Die Kosten für den Bau des Schilfpolders und die Umlegung des Venner Moor Kanals Ost für Bauleistungen und für potentielle Tausch- und Kohärenzflächen von 65,3 Millionen Euro bis 2030 werden bereitgestellt. „Damit sind wesentliche Meilensteine zur Sanierung des Dümmer Sees erreicht und alle für den Bau geschätzten Mittelbedarfe berücksichtigt“, so Meyer. „Wie wichtig es ist, die Qualität unserer Gewässer zu verbessern und damit ihre Resilienz zu steigern, zeigt sich immer wieder in ausgeprägten Hitzeperioden – die auch unsere Binnenseen stark strapazieren.“
Der Bau eines Großschilfpolders ist eine zielführende, weil nachhaltige Investition in die Zukunft der Dümmerregion – um einerseits den guten gewässerökologischen Zustand des Sees zu erreichen und gleichzeitig die Region als wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet sowie Nahrungs- und Brutgebiet zu erhalten. Darüber hinaus wird er nach Fertigstellung einen signifikanten Beitrag zur Klimafolgenanpassung leisten: Denn der Schilfpolder wird in Zukunft auch zur Verbesserung des Wasserrückhalts in Niedrigwasserphasen beitragen und andersherum bei Starkregen- und Hochwasserereignissen eine besseren Hochwasserschutzes für die Dümmerregion selbst und unterhalb des Dümmer Sees über die Hunte bis nach Oldenburg bewirken.
Hintergrundinformationen zum Dümmer See:
Der Dümmer ist mit einer Fläche von 13 km² der zweitgrößte See Niedersachsens und bei einer mittleren Tiefe von nur 1,1 m ein extremer Flachsee. Hohe Nährstoffeinträge aus dem auf über 200 km² intensiv landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebiet der Oberen Hunte führten bereits in den 1950er Jahren zu einem sehr starken Rückgang der Röhrichtbestände und zum Verschwinden der ehemals flächendeckenden Unterwasservegetation und der Binseninseln im See. Insbesondere die hohen diffusen aber auch punktuelle Phosphoreinträge aus dem Einzugsgebiet des Dümmers, bedingen, dass der See sich seit Jahren in einem schlechten ökologisch Zustand gemäß EG-WRRL befindet.
Bereits in den 1980er Jahren wurde im Konzept der Dümmersanierung die Bornbachumleitung und die Anlage eines Schilfpolders fachlich empfohlen. Im Jahre 2009 wurde mit der Bornbachumleitung ein erster Meilenstein mit der Fertigstellung der Bornbachumleitung erreicht, wodurch der Eintrag von Phosphor in den Dümmer 32 auf durchschnittlich 14 Tonnen pro Jahr mehr als halbiert werden konnte. Extreme Blaualgenmassenentwicklungen und das große Fischsterben im Jahr 2011 zeigten deutlich auf, dass weitere Maßnahmen erforderlich sind; in diesem Kontext wurden seitens der Landesregierung im Jahr 2012 der Dümmer-Beirat und das Dümmer-Forum eingerichtet.
Im Beirat kommen seitdem die zuständigen Behörden und die Vor-Ort-Akteure zusammen, um das Projekt gemeinsam zu entwickeln; das Forum dient der regelmäßigen Information der Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Arbeit im Beirat.
Auf Grundlage eines Kabinettsbeschlusses im Jahre 2012 wurde der NLWKN vom Umweltministerium beauftragt, ein Umsetzungskonzept zur Fortsetzung der Dümmersanierung zu erarbeiten. Im Ergebnis wurde ein Konzept entwickelt, dessen zentraler und unverzichtbarer Baustein der Bau eines Schilfpolders ist. Dieses neu geschaffene Feuchtgebiet übernimmt zukünftig die Funktion einer „stofflichen Senke", indem Nähr- und Schadstoffe aus Fließgewässern effizient zurückgehalten werden. Der Schilfpolders sichert als „Gütewächter“ einen ökologisch gesunden See, indem er vorrangig den jährlichen Phosphoreintrag aus dem Einzugsgebiet des Dümmers auf durchschnittlich bis zu rund vier Tonnen Phosphor begrenzt.
Mit dem Anspruch eines möglichst geringen Flächenverbrauchs durch den Schilfpolderbau wurden ergänzende Maßnahmen entwickelt und bereits teilweise umgesetzt, wie zum Beispiel gewässerökologische Maßnahmen im Einzugsgebiet des Dümmers, Hochwasserabschläge in den Mittellandkanal oder die Planung der Umleitung des Venner Moorkanals. Unter Federführung der – die Landwirtschaft beratenden – Landwirtschaftskammer mit Unterstützung des Unterhaltungsverbandes Obere Hunte und des NLWKN werden zudem freiwillige Vereinbarungen mit Landwirtinnen und Landwirten zur Umsetzung von gewässerschützenden Bewirtschaftungsmaßnahmen mit Finanzmitteln des Landes abgeschlossen. Ein besonderer Fokus wird dabei auf den Erosionsschutz gelegt.
Das Kabinett hatte mit seinem Beschuss in 2020 das Umweltministerium bzw. den NLWKN mit der Genehmigungsplanung für den Schilfpolder beauftragt. Diese wurde inzwischen für den Polder und die naturschutzfachlich notwendige Kohärenzmaßnahme im Marler Fladder fertiggestellt und dem Landkreis Osnabrück insgesamt zur Prüfung übergeben.


